Herr Prof. Dr. Pekelder, mit dem grenzüberschreitenden Netzwerk TECH.LAND wollen Sie die Innovationskraft und -kultur beider Länder zusammenbringen. Helfen soll dabei eine KI-Datenbank. Erklären Sie bitte einmal, wie das funktioniert ...
Hintergrund ist zunächst, dass es auf beiden Seiten zwar Projekte und Datenbanken zur Innovationsförderung gibt – etwa von Kennispunt Twente, der IHK oder IT.NRW –, aber diese hören oft an der Grenze auf. Hinzukommen Klischees: Die niederländische Wirtschaft wird oft zu stark mit Landwirtschaft verbunden und weniger mit innovativer Entwicklungsarbeit, während viele kleine und mittlere deutsche Unternehmen gar nicht die Kapazitäten und Offenheit haben, sich intensiv mit dem Nachbarland zu beschäftigen. Dr. Fritz Jaeckel von der IHK Nord Westfalen kam schließlich auf unser Zentrum für Niederlandestudien mit der Bitte zu, gemeinsam mit der TECH.LAND-Initiative eine grenzüberschreitende Datensammlung aufzubauen. Wir haben einen 30-seitigen Datenmonitor erstellt und wollten aber noch einen Schritt weiter gehen, um auch einen richtigen Praxisnutzen zu schaffen.
Die Datenbank?
Ganz genau. Wir bauen eine Plattform auf, in der Unternehmen ihre Daten und Projekte hinterlegen können, sodass sie gezielt Partner finden. Die Datenbank umfasst zwei Ebenen. Die erste ist ein öffentlicher Bereich, in dem demografische und Brancheninformationen von Behörden sowie Wissenswertes zu den fünf definierten TECH.LAND-Clustern auf regionaler Ebene gebündelt und frei zugänglich sein werden. Damit lassen sich Fortschritte, Chancen und Lücken in der Entwicklung sichtbar machen. Die zweite ist ein geschlossener Bereich, in dem es dann für Unternehmen ganz konkret darum geht, mithilfe von KI passende Geschäftspartner auf der jeweils anderen Seite der Grenze zu finden – etwa für gemeinsame Produktentwicklungen.
Das Portal also als „Wingman“?
Ja (lacht). Wir wollen potenziellen Partnern auf die Sprünge helfen. In der Entwicklungsarbeit stellt sich zum Beispiel bei den Unternehmen immer wieder die Frage: Was können wir im eigenen Haus leisten und wo brauchen wir externe Partner, etwa weil bestimmte technische Fähigkeiten oder Maschinen fehlen? Genau hier setzt die Datenbank an. Sie soll sichtbar machen, welche passenden Partner es im näheren Umkreis gibt – nicht nur auf der eigenen Seite der Grenze. Diese regionale Nähe wird bislang zu wenig genutzt. Das ist ein Nachteil, weil viele konkrete Kooperationschancen dadurch gar nicht erst gesehen werden.
Nach welchen Kriterien wählt die KI denn die passenden Partner aus?
Das ist noch ein Stück weit Zukunftsmusik. In den kommenden drei Monaten erarbeiten wir erst einmal die passenden Matching-Kriterien. Das Projekt läuft insgesamt über drei Jahre und ist bewusst so angelegt, dass es sich Schritt für Schritt weiterentwickelt und verbessert. Die KI wird vor allem eine unterstützende Rolle haben: Sie sorgt dafür, dass Daten aktuell gehalten werden und hilft dabei, Informationen zu strukturieren. Zum Beispiel kann sie Unternehmen nach Sektoren clustern, nach Produktarten unterscheiden oder auch zwischen B2B- und stärker konsumentennahen Geschäftsmodellen sortieren. Ebenso kann sie Datensätze über mehrere Jahre hinweg vergleichbar machen und Entwicklungen sichtbar werden lassen. Wichtig ist aber: Die eigentliche Verbindung zwischen Unternehmen bleibt menschlich geprägt. Die KI ersetzt nicht das Netzwerkgespräch.


