2023 haben Sie die deutsch-niederländische Marke deneco gegründet. Wie ist die Partnerschaft zwischen Ihren Kanzleien entstanden?
Thomas Berghaus: Die Wurzeln der Zusammenarbeit reichen tatsächlich bis ins Jahr 1995 zurück. Damals gab es einen ersten Kontakt nach Enschede zu einem niederländischen Steuerberater, der später bei Hendriksen Accountants en Adviseurs gearbeitet hat. Wir haben immer mal wieder gemeinsam Mandanten betreut. Mit unserem Neubau 2014 in Ahaus und dem Ausbau unseres Teams hat sich der Kontakt verstetigt, auch weil wir dadurch mehr Kapazitäten hatten, um niederländische Mandanten zu betreuen, die in Deutschland aktiv sind. 2016 haben wir uns nach einer Kennlernphase konkret zusammengesetzt, um die Kooperation detaillierter auszuarbeiten.
Bis zur Gründung von deneco war es dann aber nochmal ein großer Schritt ...
Matthias Kruit: Ja, wir haben das bewusst schrittweise entwickelt – auch weil beide Kanzleien nach wie vor eigenständig in ihren jeweiligen Heimatgebieten arbeiten sollten. Nach einer Phase des „Abtastens“ hat sich die Zusammenarbeit von Jahr zu Jahr verstärkt. 2023 sind wir dann den nächsten Schritt gegangen und haben mit deneco eine gemeinsame europäische Marke gegründet, unter deren Dach wir die Anfragen aus beiden Ländern bündeln und gemeinsam beraten.
Berghaus: Unser Ziel war nie, dass wir in Deutschland niederländisches Steuerrecht einfach „mitmachen“. Vielmehr verstehen wir uns als Schnittstelle, über die wir gemeinsam mit unseren niederländischen Partnern die bestmögliche Lösung entwickeln. Es geht nicht darum, auf beiden Seiten das gleiche Repertoire anzubieten, sondern darum, die Expertise aus beiden Ländern zusammenzuführen und die Mandanten so abgestimmt zu beraten.
Machen wir es mal konkret: Mit welchen Beratungsleistungen unterstützen Sie Unternehmen?
Berghaus: Ein Schwerpunkt liegt auf Jahresabschlüssen nebst Steuerdeklarationen. Darüber hinaus begleiten wir Unternehmen von Anfang an – also schon bei der Existenzgründung, etwa wenn ein niederländisches Unternehmen eine Gesellschaft in Deutschland aufbauen möchte. Das reicht von der Gewerbeanmeldung über die Registrierung beim Finanzamt bis hin zum Transparenzregister oder zur Handwerkskammer. Im laufenden Betrieb übernehmen wir die Finanz- und Lohnbuchhaltung, gerade wenn Mitarbeiter im Nachbarland beschäftigt werden. Im Grunde bieten wir einen Rundum-Service, der sich daran orientiert, was die Mandanten brauchen.
Kruit: Gerade im grenzüberschreitenden Bereich geht es oft um Unterschiede, die viele Unternehmen nicht auf dem Schirm haben.In Deutschland sind manche Regelungen strenger oder anders ausgestaltet als in den Niederlanden – etwa im Arbeitsrecht oder bei der Gewerbesteuer.
Berghaus: Wir kennen die Besonderheiten in beiden Ländern und zeigen Gestaltungsmöglichkeiten auf. Mit unserer Spezialisierung im internationalen Steuerrecht und der Erfahrung aus vielen Fällen können wir unsere Mandanten sicher durch komplexe Fragestellungen führen. Und: Wir bleiben bei den steuerrechtlichen Themen am Ball. Wenn sich Regelungen, wie etwa aktuell durch das angepasste Doppelbesteuerungsabkommen, ändern, können wir unsere Mandanten direkt darauf hinweisen.
Wie haben Sie Ihr Team darauf eingestellt?
Berghaus: Aktuell arbeiten bei uns rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ahaus und ab dem 1. Juli auch im niedersächsischen Uelsen, acht Kolleginnen und Kollegen sprechen Niederländisch. Bei Hendriksen sind es etwa 135 Mitarbeitende an mehreren Standorten – darunter auch viele deutschsprechende. Uns ist wichtig, dass die Ansprechpartner die Sprache der Mandanten sprechen – das schafft Vertrauen und erleichtert die Zusammenarbeit enorm. Schließlich geht es bei steuerlichen Angelegenheiten immer auch um Geld und mitunter um persönliche Angelegenheiten.
Kruit: Gemeinsam haben wir vier Fachberater für internationales Steuerrecht bei deneco. Sie kennen die Bestimmungen des deutschen und des EU-Rechts, sodass wir Unternehmen bei der strategischen Planung fachkundig unterstützen können. Durch den Beitritt von Hendriksen zur internationalen Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgruppe PiaGroup im vergangenen Jahr bestehen außerdem Kontakte zu weiteren Experten.
Berghaus: Unsere Teams kommen unter der Marke deneco projektbezogen zusammen – entweder an den Standorten in Ahaus und Enschede, remote oder beim Kunden vor Ort. Die Wege sind also kurz. Die Nachfrage kommt inzwischen nicht mehr nur aus der Grenzregion, sondern bundesweit aus Deutschland und den gesamten Niederlanden – diese gute Entwicklung von deneco bestätigt uns, dass wir damit den richtigen Schritt gemacht haben.


